Lexikon der Abwasserbegriffe
- Hier erklärt die SELH AöR Ihnen einige wichtige Begriffe aus der Abwasserbeseitigung – einfach & verständlich, teilweise direkt mit Bezug auf Lüdenscheid & Herscheid
- Die Übersicht ist als praktische Orientierungshilfe gedacht & erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder rechtliche Verbindlichkeit
* Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Register ausschließlich die maskuline Form der Substantive verwendet. Natürlich gelten alle Nennungen gleichermaßen für feminine und non-binäre Menschen.
Begriffe von A–Z:
- Abflusslose Abwassergruben (Abwassersammelgruben) sind neben der öffentlichen Abwasseranlage & der Kleinkläranlage (KKA) eine weitere Möglichkeit, Abwasser zu entsorgen
- Im Gegensatz zur Kleinkläranlage wird das anfallende Schmutzwasser nicht gereinigt, sondern nur gesammelt & regelmäßig von einem Fachunternehmen zur Kläranlage transportiert
- Sie dürfen nur gebaut werden, wenn das Abwasser nicht in die Kanalisation eingeleitet werden kann – meist im Außenbereich von Lüdenscheid/Herscheid
- Ob im Einzelfall eine abflusslose Abwassergrube zulässig ist & ob bestehende Anlagen noch dem Stand der Technik entsprechen oder saniert werden müssen, beurteilen die SELH AöR & die untere Wasserbehörde des Märkischen Kreises im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben
-
In der Regel gelten abflusslose Gruben nur als Behelf & werden daher nur in Ausnahmefällen & zeitlich befristet zugelassen
- Im Abwasserbeseitigungskonzept stellt die Gemeinde den Stand der öffentlichen Abwasserbeseitigung dar
- Es beschreibt außerdem die zeitliche Abfolge & die geschätzten Kosten der Baumaßnahmen, die zur Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht notwendig sind
-
Das ABK wird jeweils für 6 Jahre erstellt & jährlich fortgeschrieben
- In Abscheidern werden bestimmte Stoffe vom Abwasser getrennt & zurückgehalten, damit sie nicht weiter mit dem Abwasser abgeleitet werden
- Typische Abscheider im Abwasserbereich sind z. B. Fettabscheider, Leichtflüssigkeitsabscheider (für Öl, Benzin o. Ä.) oder Stärkeabscheider
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Bei Leichtflüssigkeitsabscheidern wird das aufschwimmende Öl z. B. durch eine Tauchwand zurückgehalten & regelmäßig abgesaugt
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Der Abwasserbegriff ist in § 54 Abs. 1 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) definiert als „das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften veränderte Wasser und das bei Trockenwetter damit zusammen abfließende Wasser (Schmutzwasser) sowie das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser (Niederschlagswasser).“
- Anlage zum Transport von Abwasser
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In Lüdenscheid &Herscheid werden die öffentlichen Abwasserkanäle von der SELH AöR betrieben
- Formstück zur Zusammenführung von Abwasserströmen
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Über einen Abzweig wird in der Regel ein Grundstück an den öffentlichen Kanal angeschlossen
- Unter Anschlussleitungen versteht man die Gesamtheit aus:
- Grundstücksanschlussleitungen (öffentlicher Teil bis zur Grundstücksgrenze bzw. bis zum Übergabepunkt)
-
Hausanschlussleitungen (privater Teil auf dem Grundstück bis ins Gebäude)
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Anschlussnehmer ist der Eigentümer eines Grundstücks, das an die öffentliche Abwasseranlage angeschlossen ist
- Eine AöR ist eine rechtsfähige Organisation, der eine bestimmte öffentliche Aufgabe gesetzlich übertragen ist
- Ihr – meist hoheitliches – Tätigkeitsgebiet wird in einer Satzung geregelt
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Die SELH AöR ist eine solche Anstalt des öffentlichen Rechts
- Zerstörungsfreie Prüfung einer abwassertechnischen Leitung, eines Schachtes o. Ä. auf Dichtheit, z. B. mit Luft- oder Wasserdruck
- Der Begriff wurde ursprünglich im § 61a LWG für die Prüfung privater Anschlussleitungen verwendet
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Seit Aufhebung des § 61a und Inkrafttreten der SüwVO Abw spricht man nun von „Zustands- & Funktionsprüfung“
- Abkürzung für Diameter Nominal (englisch)
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Bezeichnet die Nennweite bzw. das Anschlussmaß von Rohren, Armaturen & Bauteilen
- Unterirdische Ableitung von (meist) Grundwasser, um Boden oder Gebäude trocken zu halten
- Dies erfolgt in der Regel über halbdurchlässige Rohre oder Schläuche
- Drainage wird teilweise auch als Drainleitung oder Dränung bezeichnet
- Wichtig: Drainagen dürfen nicht an die öffentliche Abwasseranlage angeschlossen werden
- Zusammenhängendes Leitungsnetz, in dem Abwasser mehrerer Grundstücke durch Pumpendruck transportiert wird
- Die hierfür eingesetzten Druckpumpen & Pumpenschächte sind integrale, technisch notwendige Bestandteile des Netzes
- Leitung, in der Abwasser mit Hilfe einer Pumpe unter Druck transportiert wird – z. B. wenn Abwasser „bergauf“ gefördert werden muss
- Die Leitung hinter der Pumpe wird als Druckleitung bezeichnet
- Bauwerk, mit dem ein Abwasserkanal unter anderen Leitungen oder unter einem Gewässer hindurchgeführt & anschließend wieder auf das ursprüngliche Niveau angehoben wird
- Dient zur kreuzungsfreien Führung von Kanälen
- Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.
- Fachverband, der u. a. Regeln & Merkblätter für Planung, Bau, Betrieb & Unterhaltung von Abwasseranlagen erarbeitet
- Sammelbegriff für alle technischen Anlagen zur Ableitung von Abwasser, z. B.:
- Abwasserkanäle
- Abwasserleitungen
- Druckleitungen
- Pumpwerke
- Regenüberläufe
- Eine von drei Sanierungsarten (Reparatur, Renovierung, Erneuerung)
-
Erneuerung bedeutet, dass neue Abwasserleitungen oder Kanäle hergestellt werden – in gleicher oder geänderter Lage – & die Funktion der alten Leitung vollständig übernehmen
- Beispiele:
- Freilegen & Austausch einer Leitung in offener Baugrube
- Neuverlegung einer Leitung unter der Kellerdecke & gleichzeitiges Verfüllen/Verdämmen der alten Leitung
- Austreten von Abwasser aus einem Kanal in das umgebende Erdreich durch eine Schadstelle (undichte Muffe, Riss o. Ä.)
- Senkrecht verlaufende Abwasserleitung (innen oder außen), die Schmutz- oder Regenwasser aus den Geschossen zu einer Sammel- oder Grundleitung führt
- Schmutzwasserfallleitungen werden in der Regel mit einer Lüftungsleitung bis über das Dach hinaus geführt
- Verfahren der SELH AöR zur Kontrolle der Grundstücksanschlüsse:
- Eine ungiftige Farbe wird in Abläufe auf dem Grundstück gegeben,anschließend wird an der öffentlichen Abwasseranlage beobachtet, an welcher Stelle die Einfärbung im Kanalnetz erscheint
- So lässt sich prüfen, wohin welche Leitung tatsächlich angeschlossen ist
- Liegt vor, wenn im Trennsystem:
- Regenwasser fälschlich an den Schmutzwasserkanal angeschlossen ist
- Schmutzwasser an den Regenwasserkanal angeschlossen wurde
- Anschluss von Schmutzwasser an eine Bachverrohrung
-
Direkte Einleitung von Schmutzwasser in ein Gewässer
- Fehleinleitungen sind unverzüglich zu beseitigen, da sie in der Regel Gewässer verunreinigen
- Einfache Form der Regenwasserbewirtschaftung:
-
Niederschlagswasser wird auf eine möglichst ebene Fläche geleitet & kann dort im Boden versickern
-
- Voraussetzungen:
- Gut wasserdurchlässiger Boden
- Mindestens 1 m Abstand zwischen Geländeoberfläche & Grundwasser
-
Abfluss von Abwasser ausschließlich durch Schwerkraft:
- Das Wasser fließt von einem höheren zu einem tieferen Punkt, ohne dass Druck aufgebaut wird
- Gegenstück: Druckleitung (mit Pumpe)
- Bezeichnet Wasser, das ungewollt durch die Kanalisation abgeleitet wird. Nach DIN 4045 u. a.:
- Durch Undichtigkeiten einsickerndes Grundwasser
- Unzulässig eingeleitete Wässer über Fehlanschlüsse
-
Oberflächenwasser, das in Schmutzwasserkanäle gelangt (z. B. über Schachtabdeckungen)
- Über die Kanalisation abgeleitetes Bach- oder Drainagewasser
- Fremdwasser belastet Kanäle & Rückhaltebecken, erschwert die Abwasserreinigung & ist aus Gewässerschutzgründen unerwünscht
- Konzept zur Ermittlung von Fremdwasserschwerpunkten & zur Ableitung geeigneter Sanierungsmaßnahmen
- Betrachtet ein definiertes Fremdwassersanierungsgebiet ganzheitlich – sowohl den öffentlichen Kanal als auch private Leitungen
- Bezeichnet die getrennte Berechnung von Schmutzwasser- & Niederschlagswassergebühr
- Schmutzwassergebühr:
- Bemessung nach dem Frischwassermaßstab, d. h. nach der bezogenen Trink- & Brunnenwassermenge,
-
abzüglich der nachweislich auf dem Grundstück verbrauchten Wassermengen, die nicht in den öffentlichen Kanal gelangen (z. B. Gartenbewässerung mit Zähler)
- Niederschlagswassergebühr:
- Bemessung nach der versiegelten, an den Kanal angeschlossenen Fläche
- Schmutzwassergebühr:
- Sanierung einer Abwasseranlage ohne durchgehende offene Baugrube entlang der gesamten Leitung
- Die Arbeiten erfolgen unterirdisch bzw. von innen über Schächte oder Inspektionsöffnungen
- Beispiele:
- Roboterverfahren (punktuelle Reparatur mit Kanalroboter)
- Schlauchlinerverfahren (Inliner)
- Beispiele:
- Recht, ein fremdes Grundstück in bestimmter Weise zu nutzen, z. B. das Recht, dort einen Kanal zu verlegen, zu betreiben & zu unterhalten
- Die Grunddienstbarkeit muss im Grundbuch eingetragen sein
-
Leitungsabschnitt von der öffentlichen Abwasseranlage bis zur Grenze des anzuschließenden Grundstücks
- Abwasserleitung unter der Bodenplatte des Hauses
-
Sie ist Teil der Hausanschlussleitung
-
Jeder zusammenhängende Grundbesitz, der eine selbstständige wirtschaftliche Einheit bildet – unabhängig von der Grundbucheintragung
- Gesamtes System aus Leitungen & Entwässerungsbauwerken auf dem Grundstück zur Ableitung von Schmutz- &/ Regenwasser:
- zur öffentlichen Kanalisation,
- zu einer Kleinkläranlage / abflusslosen Grube oder
- zu einer anderen Entsorgungs- bzw. Versickerungsanlage
-
Wasser unter der Erdoberfläche, das in Boden- & Gesteinshohlräumen einen zusammenhängenden Wasserkörper bildet
-
Straßenablauf zur Aufnahme des auf der Fahrbahn anfallenden Niederschlagswassers & Ableitung in den öffentlichen Kanal
-
Leitungsabschnitt eines Abwasserkanals zwischen zwei Schächten &/ Sonderbauwerken (z. B. Regenüberlauf, Pumpwerk)
- Leitungen von der privaten Grundstücksgrenze bis zum Gebäude, in dem Abwasser anfällt
Dazu gehören auch:- Leitungen unter der Bodenplatte
- Zugehörige Schächte & Inspektionsöffnungen
- Alle Einrichtungen innerhalb & direkt am Gebäude, die der Sammlung, Vorbehandlung, Prüfung, Rückhaltung & Ableitung des Abwassers auf dem Grundstück dienen, z. B.:
- Abwasserrohre im Gebäude
- Dachrinnen & Fallrohre
-
Hebeanlagen, Rückstauverschlüsse
- Diese Anlagen sind nicht Teil der öffentlichen Abwasseranlage
-
Schmutzwasser aus Waschräumen, Küchen, Bädern, Waschbecken, Toiletten & ähnlichen Einrichtungen in Haushalten
Indirekteinleiter
-
Anschlussnehmer, der Abwasser in die öffentliche Abwasseranlage einleitet oder gelangen lässt
-
Im Indirekteinleiterkataster sind Grundstücke erfasst, auf denen Abwasser nach Anhängen der Abwasserverordnung anfällt (z. B. Waschstraßen, Galvaniken, Zahnarztpraxen, Kfz-Betriebe)
Infiltration
-
Eindringen von Grundwasser aus dem umgebenden Erdreich in den Kanal durch eine Schadstelle (undichte Muffe, Riss etc.)
Inliner
-
Siehe „Schlauchlining“ (Schlauchlinerverfahren)
-
Grabenloses Sanierungsverfahren, bei dem ein harzgetränkter Schlauch in die alte Leitung eingebracht & ausgehärtet wird
Inspektionsöffnung
-
Öffnung mit abnehmbarem Deckel an einer Abwasserleitung oder einem Kanal:
- Ermöglicht Zugang zur Leitung
- Zu klein für den Einstieg von Personen (i. d. R. DN/ID < 800)
- Dient zum Einbringen von Reinigungsgeräten, Kameras & Prüfausrüstung
- Wird meist mit „Revisionsöffnung“ gleichgesetzt
Instandhaltung
-
Oberbegriff für alle Maßnahmen zur:
- Feststellung & Beurteilung des Ist-Zustands
- Bewahrung & Wiederherstellung des Soll-Zustands
von Entwässerungsanlagen (z. B. Kontrolle, Reinigung, Reparatur)
Kanal
- Siehe „Abwasserkanal“
Kanalhaltung
-
Siehe „Haltung“
Kanalnetz
-
Gesamtheit aller Abwasserkanäle, Abwasserdruckleitungen & zugehörigen Bauwerke (z. B. Schächte, Sonderbauwerke) in einem Entwässerungsgebiet
Kanal-TV / optische Inspektion
-
Verfahren zur Zustandsbewertung von Kanälen:
- Ferngesteuerte, schwenkbare Kamera wird in den Kanal eingeführt & fährt die Haltung ab
- Das Kamerabild wird im Untersuchungsfahrzeug übertragen & aufgezeichnet
- Der Untersucher dokumentiert Schächte, Stutzen, Abzweige & sichtbare Schäden
- Das Fahrgestell verfügt über eine Längenmessung, sodass Schäden direkt eingemessen werden können
- Die Daten werden in der Regel digital erfasst
- Voraussetzung: Der Kanal sollte vor der Inspektion fachgerecht gereinigt sein, damit Schäden erkennbar sind
Kanalzustandskataster
-
Datenbank / Informationssystem, in dem die Ergebnisse der turnusmäßigen Kanaluntersuchungen gespeichert werden:
- Erfasste Schäden werden bewertet & nach Schwere eingestuft
- Die bauliche Bewertung fließt in das Sanierungskonzept ein
Klärschlamm
-
Mischung aus Fest- & Flüssigstoffen, die bei der Abwasserreinigung in Kläranlagen oder Kleinkläranlagen anfällt
-
Auch in Kleinkläranlagen entsteht Klärschlamm
-
Die jeweilige Gemeinde ist abwasserbeseitigungspflichtig & muss:
- Die regelmäßige Abfuhr organisieren
- Die ordnungsgemäße Behandlung sicherstellen
Kleinkläranlage (KKA)
-
Anlage zur Behandlung häuslichen Schmutzwassers von einem oder mehreren Grundstücken (in der Regel bis max. 50 Einwohner)
-
Eingesetzt außerhalb zusammenhängend bebauter Ortsteile
- In Gebieten, die nicht an eine zentrale Kanalisation angeschlossen sind
LWG
- Abkürzung für Landeswassergesetz Nordrhein-Westfalen
- Es konkretisiert das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes (WHG) für NRW
- Regelt dort u. a. den Umgang mit Gewässern, Abwasserbeseitigung & wasserrechtliche Zuständigkeiten auf Landesebene
Mischsystem
-
Entwässerungssystem, bei dem Schmutzwasser & Niederschlagswasser gemeinsam in einer Leitung abgeleitet & zusammen zur Kläranlage geführt werden
-
Gegenstück: Trennsystem (separate Leitungen für Schmutz- & Regenwasser)
Modifiziertes Entwässerungssystem
-
System, bei dem Abwasserströme mit geringem Reinigungsbedarf abgekoppelt & möglichst ohne weitere Behandlung abgeleitet werden
-
Beispiel modifiziertes Mischsystem:
- Unverschmutztes Niederschlagswasser von Dachflächen wird vom Mischwasserkanal getrennt & direkt in ein Gewässer eingeleitet oder versickert
- Verschmutztes Niederschlagswasser (z. B. von Parkplätzen) wird weiterhin mit dem Schmutzwasser gemeinsam abgeleitet
Muffe
-
Bauteil zur dichten Verbindung zweier Rohre
-
Im Kanalbau kommen überwiegend Steckmuffen zum Einsatz
Muldenversickerung
-
Regenwasserbewirtschaftung über flache, bis ca. 30 cm tiefe Bodenvertiefungen (Mulden), in die oberflächlich Niederschlagswasser eingeleitet wird und dort über die belebte Bodenzone versickert
-
Mulden können z. B. einfach im Rasenbereich angelegt werden
-
Voraussetzungen:
- Gut wasserdurchlässiger Boden
- Mindestens 1 m Abstand zwischen Muldensohle & Grundwasser
Mulden-Rigolen-Versickerung
-
Kombination aus Mulden- & Rigolenversickerung:
- Anfallendes Regenwasser wird zunächst in eine Mulde geleitet
- Von dort aus sickert es in eine darunterliegende Rigole (mit Kies/Schotter gefüllter Speicherraum)
- Vorteile:
- Größeres Zwischenspeichervolumen
- Mulde bleibt nur kurzzeitig eingestaut
- Sinnvoll bei begrenzten Flächen oder Böden mit mittlerer Wasserdurchlässigkeit
Nebeln
- Verfahren zur Überprüfung der Grundstücksanschlüsse am öffentlichen Kanal
- In den Abwasserkanal wird mit Druckluft ein unschädlicher Prüfnebel eingeblasen (vergleichbar mit Theaternebel)
- Der Nebel tritt dort aus, wo Leitungen angeschlossen sind, z. B. an Regenfallrohren oder Entlüftungsleitungen
- So lässt sich erkennen, welche privaten Leitungen an welchen Kanal angeschlossen sind & ob Fehlanschlüsse vorliegen
Niederschlagswasser
-
Das von Regen, Schnee oder anderen Niederschlägen stammende Wasser, das von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließt (z. B. von Dächern, Höfen, Straßen)
Offene Bauweise
- Ausführung von Arbeiten an einer Entwässerungsanlage durch Aufgrabung, also in einer offenen Baugrube
- Beispiel: Freilegen und Austausch eines Kanalabschnitts im Erdreich
Optische Inspektion
- Sichtprüfung einer Entwässerungsanlage, z. B. durch:
-
-
- Begehung (ab ca. DN 800),
- Kamerabefahrung (Kanal-TV) oder
- Spiegelung
-
- Ziel: Beurteilung des baulichen Zustands & Erkennen von Schäden
Öffentliche Abwasseranlage
-
Umfasst alle Anlagen, die von der SELH AöR selbst oder in ihrem Auftrag betrieben werden & der Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht dienen, z. B.:
- Kanäle (Haltungen) & Schächte
- Regenrückhaltebecken, Regenüberläufe, Staukanäle
- Kläranlagen & weitere Sonderbauwerke
-
Nicht zur öffentlichen Abwasseranlage gehören:
- Grundstücks- und Hausanschlussleitungen (Anschlussleitungen)
- Kleinkläranlagen
- abflusslose Gruben
Porenpflaster
- Porenpflaster besteht aus Steinen, die aufgrund ihres lockeren Aufbaus das Durchsickern von Wasser direkt durch den Stein ermöglichen
- In Verbindung mit einer wasserdurchlässigen Fugenfüllung beträgt die Versickerungsleistung von Porenpflaster nahezu 100 %
Rasengittersteine / Rasenfugenpflaster
-
Flächenbelag, bei dem das Regenwasser durch Aussparungen zwischen den Steinen versickert
-
Je nach Hersteller sind Form und Größe der Öffnungen unterschiedlich
-
Damit eine ausreichende Versickerung möglich ist, sollten die Aussparungen etwa 20–30 % der Fläche ausmachen
Rattenbekämpfung
-
Durch die Entsorgung von Essensresten über die Toilette gelangen Nahrungsmittel in die Kanalisation – dadurch finden Wanderratten dort gute Lebensbedingungen
-
Zur Bekämpfung werden in Kanalschächten Fraßköder ausgelegt
- Die SELH AöR setzt hierfür speziell geschulte Mitarbeiter ein
- Die eingesetzten Köder sind in der vorgesehenen Dosierung für Menschen & Haustiere ungefährlich
- Ziel: Zunahme der Rattenpopulation verhindern
- Eine starke Reduzierung oder ein Verschwinden der Ratten gelingt nur, wenn das Nahrungsangebot fehlt:
- Essensreste gehören nicht in die Kanalisation
Regeln der Technik (allgemein anerkannte Regeln der Technik)
-
Bewährte Prinzipien, Lösungen & Vorgehensweisen, die sich in der Praxis durchgesetzt haben & von der Mehrheit der Fachleute angewendet werden
-
Sie sind in der Regel in technischen Regelwerken (z. B. DIN-, DWA-Regelwerke) beschrieben
Regenklärbecken (RKB)
-
Absetzbecken im Trennsystem zur Behandlung verschmutzten Regenwassers, meist mit integrierter Leichtstoffabscheidung
-
Man unterscheidet:
- Regenklärbecken mit Dauerstau (RKBmD):
- Becken ist ständig mit Wasser gefüllt
- Sedimente werden nur in größeren Zeitabständen entfernt
- Regenklärbecken ohne Dauerstau (RKBoD):
- Becken wird nach jedem Einstau vollständig entleert
- Dafür ist eine Pumpe o. Ä. erforderlich
- Regenklärbecken mit Dauerstau (RKBmD):
Regenrückhaltebecken
-
Dienen im Misch- & Trennsystem dazu, Abwasserspitzen (insbesondere bei Regen) zu puffern
-
Abfluss in nachfolgende Leitungen oder Gewässer zu drosseln
Regenspende
-
Regenmenge, die in einem bestimmten Zeitraum auf eine bestimmte Fläche fällt
-
Sie ist eine wichtige Grundlage zur Berechnung des Regenwasserabflusses
Regenüberlauf
-
Sonderbauwerk im Mischsystem:
- Begrenzt (drosselt) den Abfluss zur Kläranlage auf einen festgelegten Wert
- Die darüber hinausgehende Wassermenge wird direkt in ein Gewässer entlastet
Regenüberlaufbecken / Stauraumkanal
-
Speicherbauwerke im Mischsystem mit zwei Funktionen:
- Drosselung des Abflusses zur Kläranlage (stärker als bei einem einfachen Regenüberlauf)
- Mechanische Absetzwirkung (Schwebstoffe setzen sich ab), bevor es zu einem Überlauf ins Gewässer kommt
- Unterschied: Bauliche Ausbildung (Beckenform vs. länglicher Stauraumkanal)
Renovierung
-
Eine von drei Sanierungsarten (Reparatur, Renovierung, Erneuerung)
-
Renovierung verbessert die Funktionsfähigkeit einer Leitung, wobei die vorhandene Substanz ganz oder teilweise erhalten bleibt
-
Typisches Verfahren: Schlauchlinerverfahren (Inliner)
-
Reparatur
-
Ebenfalls eine Sanierungsart
-
Umfasst Maßnahmen zur Beseitigung lokal begrenzter Schäden
-
(Einzelschäden) wie Risse oder Löcher
-
- Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt meist bei 2–15 Jahren
- Typische Verfahren:
- Fräsen von einragenden Wurzeln
- Spachteln von Undichtigkeiten
- Kurzliner (kurze Inlinerstücke)
- Lleine, offene Baugrube zur punktuellen Schadensbehebung
Revisionsöffnung
-
Siehe „Inspektionsöffnung“
Revisionsschacht (Kontrollschacht)
-
Begehbarer Schacht zur Kontrolle, Reinigung, Unterhaltung & Belüftung von Kanalhaltungen
-
In der Regel verlaufen Haltungen zwischen zwei Revisionsschächten geradlinig; Richtungsänderungen erfolgen im Schacht
Rigolenversickerung
-
Unterirdische Versickerungsanlage
-
Meist mit Kies oder Lava gefüllter Graben oder aus Kunststoffspeicherelementen
-
Durch ein eingelegtes, geschlitztes Sickerrohr (Rohrrigole) lässt sich das Speichervolumen vergrößern
-
Für Rigolen ist eine wasserrechtliche Genehmigung der unteren Wasserbehörde erforderlich
Rückstau
-
Entsteht, wenn in einer abwassertechnischen Anlage mehr Wasser zufließt als abfließen kann
-
Der Wasserspiegel steigt im System an & kann bis in die privaten Leitungen zurückdrücken
Rückstauebene
-
Höhenlage, bis zu der Abwasser im öffentlichen Kanalnetz im Rückstaufall ansteigen kann
-
Bei der Grundstücksentwässerung ist dies die Bezugshöhe, unterhalb derer besondere Schutzmaßnahmen gegen Rückstau erforderlich sind (in der Regel die Straßenoberkante vor dem Gebäude)
Rückstausicherung
-
Technische Einrichtung zum Schutz von Gebäudeteilen unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanal (z. B. Rückstauventil, Hebeanlage mit Rückstauschleife)
-
Grundstückseigentümer sind verpflichtet, Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene mit funktionstüchtigen Rückstausicherungen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu versehen
-
Die Rückstausicherung muss jederzeit zugänglich & wartbar sein
Sammelleitung
-
Waagerecht verlaufende Leitung, die Abwasser aus Fall- & Anschlussleitungen aufnimmt, ohne im Erdreich oder unter der Bodenplatte zu liegen
-
Sie ist frei zugänglich
-
Liegt im Gebäude oberhalb der Kellersohle oder in einem Rohrkanal im Kellerfußboden
-
Im Gegensatz dazu verlaufen Grundleitungen unter der Bodenplatte
Sachkundiger
-
Für die Zustands- & Funktionsprüfung nach SüwVO Abw ist ein besonderer Sachkundenachweis erforderlich
- Anerkennung/Aberkennung für Mitglieder und Beschäftigte erfolgt durch die zuständige:
- Handwerkskammer,
- Industrie- & Handelskammer oder
- Ingenieurkammer-Bau;
im Übrigen durch die zuständige Behörde
- Eine Liste der anerkannten Sachkundigen ist auf der Internetseite des Landes NRW einsehbar (siehe Links)
- Anerkennung/Aberkennung für Mitglieder und Beschäftigte erfolgt durch die zuständige:
Sanierung
-
Oberbegriff für alle Maßnahmen zur Wiederherstellung oder Verbesserung vorhandener Entwässerungssysteme
-
Es wird unterschieden in:
- Reparatur (lokale Einzelschäden)
- Renovierung (Verbesserung mit Nutzung der vorhandenen Substanz)
- Erneuerung (Neubau der Leitung)
Schacht
-
Begehbarer Einstieg mit abnehmbarem Deckel auf einer Abwasserleitung oder einem Kanal
-
Ermöglicht Einstieg für Personal sowie das Einbringen von Reinigungs-, Inspektions- & Sanierungstechnik
- Synonyme: Einsteigeschacht, Revisionsschacht
- Synonyme: Einsteigeschacht, Revisionsschacht
- Besondere Regelung in Lüdenscheid:
- Bei Neuerrichtung einer Anschlussleitung auf privatem Grundstück:
- Einsteigeschacht mit Zugang für Personal ist außerhalb des Gebäudes, nahe der Grundstücksgrenze einzubauen
- Bei bestehenden Anschlussleitungen:
- Nachträglicher Einbau ist Pflicht, wenn die Anschlussleitung erneuert oder verändert wird
- In begründeten Ausnahmefällen kann auf Antrag auf den Schacht verzichtet werden, wenn stattdessen eine geeignete Inspektionsöffnung eingebaut wird
- Schacht bzw. Inspektionsöffnung müssen jederzeit frei zugänglich & zu öffnen sein
- Überbauung oder Bepflanzung ist unzulässig
- Bei Neuerrichtung einer Anschlussleitung auf privatem Grundstück:
Schlauchlining
-
Grabenloses Sanierungsverfahren:
- Ein Harz getränkter, flexibler Schlauch („Inliner“) wird in die defekte Leitung eingebracht
- Aufgeweitet & ausgehärtet
- Es entsteht ein „Rohr im Rohr“
- So werden Standsicherheit & Dichtheit der Leitung wiederhergestellt
- Der Einbau erfolgt in der Regel über Schächte oder Revisionsöffnungen
Schmutzwasser
-
Wasser, das durch häuslichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder sonstigen Gebrauch in seinen Eigenschaften verändert ist, einschließlich des bei Trockenwetter mit abfließenden Wassers
-
Dazu gehören auch austretende bzw. gesammelte Flüssigkeiten aus Anlagen zum Behandeln, Lagern oder Ablagern von Abfällen
Schotterrasen
-
Rasen, der in ein Gemisch aus Humus, Sand & Schotter eingesät wird
-
Belastbarer als normaler Rasen
-
Nicht für häufig befahrene Zufahrten, Stellplätze oder stark genutzte Wege geeignet
-
Versickerungsleistung meist 70–100 %
Sielhaut
- Biofilm an der Innenwand von Entwässerungsleitungen
- Bestehen überwiegend aus toter & lebender Biomasse & anorganischen Bestandteilen
- Wird die Sielhaut vor einer TV-Inspektion nicht entfernt, können Schäden an der Rohrinnenwand verdeckt & übersehen werden
Sonderbauwerk
-
Einzelnes Bauwerk mit spezieller Funktion im Kanalnetz, z. B.:
- Düker
- Regenklärbecken
- Stauraumkanal
- Regenüberlauf
- Regenrückhaltebecken
- Regenüberlaufbecken
Stauraumkanal
- Siehe „Regenüberlaufbecken, Stauraumkanal“ (Speicherbauwerk im Mischsystem mit Rückhalte- & Absetzwirkung)
Stutzen
-
Bauteil, das in eine kreisförmige Öffnung in der Rohrwand eingesetzt wird & eine dichte Verbindung herstellt
- Über Stutzen werden private Anschlussleitungen an die öffentliche Abwasseranlage angeschlossen
SüwVO Abw (Selbstüberwachungsverordnung Abwasser NRW)
- Verordnung des Landes NRW zur Selbstüberwachung von Abwasseranlagen
- Legt für die öffentliche Kanalisation Überwachungsintervalle für Kanäle, Einleitungen & Sonderbauwerke fest
- Regelt außerdem die Selbstüberwachung privater Abwasserleitungen,
- insbesondere Fristen und Art der Zustands- & Funktionsprüfung durch einen Sachkundigen
Teichversickerung
-
Gartenteich mit kombiniertem Versickerungsbereich:
- Teich ist abgedichtet
- Der umlaufende Randbereich ist nicht abgedichtet & wie eine Rigole aufgebaut (durchlässiges Material)
- Steigt der Wasserstand über eine festgelegte Höhe, läuft das Wasser in den durchlässigen Rand und versickert dort
- Alternativ kann der Überlauf in weitere Versickerungselemente (Mulde, Rigole, Versickerungsschacht) geleitet werden
- Wichtig: Das für die Versickerung nötige Speichervolumen muss anhand der Bodendurchlässigkeit vorab berechnet werden
Testat
- Bescheinigung über die gemeinwohlverträgliche Ableitung von Niederschlagswasser
-
Bei Versickerung über die belebte Bodenzone prüft die untere Wasserbehörde des Märkischen Kreises, ob dadurch Schäden auf anderen Grundstücken oder Gebäuden entstehen könnten und ob das Wohl der Allgemeinheit gewahrt bleibt
-
Ist dies gegeben, erhält der Grundstückseigentümer ein Testat nach § 53 LWG
-
Trennsystem
-
Entwässerungssystem mit getrennten Leitungen:
- Schmutzwasser wird in einem eigenen Kanal zur Kläranlage geleitet
- Niederschlagswasser wird separat gesammelt & auf kurzem Weg in ein Gewässer oder eine Versickerungsanlage eingeleitet
Versickerung von Niederschlagswasser
- Ist das Einbringen von unbelastetem Niederschlagswasser in das Grundwasser.
- Versickerung ist ökologisch sehr sinnvoll, um der Flächenversiegelung & damit der Verringerung der Grundwasserneubildung entgegen zu wirken
- Es gibt unter anderem folgende technische Möglichkeiten:
- Muldenversickerung
- Flächenversickerung
- Rigolenversickerung
- Teich
WHG (Wasserhaushaltsgesetz)
-
Bundesgesetz, das den Umgang mit Gewässern regelt
-
Ziel: Nachhaltige Gewässerbewirtschaftung, um Gewässer als:
- Teil des Naturhaushalts
- Lebensgrundlage des Menschen
- Lebensraum für Tiere & Pflanzen
- Nutzbares Gut zu schützen
Wasserschutzzone (WSZ)
-
Gebiet, das festgesetzt wird, um Gewässer im Interesse der bestehenden oder zukünftigen öffentlichen Trinkwasserversorgung vor schädlichen Einwirkungen zu schützen
Ziele sind u. a.:
- Schutz & Anreicherung des Grundwassers
- Verhinderung schädlichen Oberflächenabflusses
- Begrenzung des Eintrags von Bodenbestandteilen, Dünge- & Pflanzenschutzmitteln in Gewässer
- In Lüdenscheid gibt es derzeit zwei Wasserschutzgebiete:
-
- Im Bereich Versetalsperre
- Im Bereich Fuelbecke / Horringhausen
Zustands- & Funktionsprüfung
- Prüfung privater Abwasserleitungen durch einen Sachkundigen gem. SüwVO Abw.
- Prüfung erfolgt gem. DIN in Abhängigkeit von der Art des Abwassers, der Lage des Grundstücks & des Zeitraums als TV-Untersuchung oder Druckprüfung
